Slow clap 👏
Mit Überschussproduktion aus Sonne und Wind kann man zwei Sachen machen: Im Raum verteilen oder in der Zeit verteilen. (oder einfach gar nicht nutzen)
- Im Raum verteilen bedeutet durch Übertragungsnetze an andere Standorte schicken. Beispiel: Strom wird in Norddeutschland erzeugt, wird nach Frankreich exportiert.
- In der Zeit verteilen bedeutet für einen späteren Zeitpunkt speichern. Hier gibt es drei Möglichkeiten: Batterien, Wasserkraftwerke (Pumpkraftwerke), synthetisches Gas (Wasserstoff, synthetisches Methanol, …).
In der Praxis ist es nur eine Frage davon welche Verteilung der genannten Möglichkeiten die wirtschaftlich billigste ist. Der Energiemarkt regelt.
Finde ich ziemlich schade, da Wasserstoff aus meiner Sicht durchaus Potential hat für einige Anwendungsfälle. Nicht, um damit normale PKW oder LKW zu betanken oder gar um alte Gasheizungen damit zu betreiben. Aber trotzdem ist es eine Möglichkeit, EE-Überschussstrom mittelfristig zu speichern, abgelegene Gegenden zu versorgen oder Prozesse in der Stahlindustrie grüner zu machen.
Das wird auch kommen, es ist halt nur ausgebremst. Ich hatte mich gefreut, dass das Wasserstoffkernnetz für die Industrieanwendungsfälle vorangetrieben wird.
Klar, gewisse Parteien haben gesagt, dass brauchen wir für LKW/PKW/Flugtaxis und Heizung, und jeder der 2 Sekunden recherchiert weiß, dass wir es dafür gerade nicht brauchen… aber der Effekt war ein Hochskalieren der Wasserstoffwirtschaft. Hoffe, da kommen wir wieder hin.
Stromspeicherung per ineffizient aufwändiger Um- und Rückumwandlung in Wasserstoff ist wirtschaftlicher Unfug. Akkus sind da um Längen billiger und effizienter.
Es geht nicht nur um Strom. Es gibt Industrieprozesse, die man nicht einfach elektrifizieren kann, weil da die Wärmequelle gleich auch noch Reaktionspartner in einem chemischen Prozess ist.
Da ist es egal, ob Akkus effizienter oder billiger sind. Außer man verbrennt die Akkus im Hochofen, aber wahrscheinlich stimmt die Chemie nicht, dass da das richtige Endprodukt bei rauskommt.
Aber auch zur Speicherung ist Wasserstoff evtl. interessant, denn Gasspeicher sind für ihre Kapazität sehr langlebig und wartungsarm. Akkus haben eine begrenzte Anzahl Ladezyklen, verlieren also über ihre Lebdensdauer kontinuierlich an Kapazität. Und ein großzügig ausgebautes Leitungs- und Speichernetz wäre schon vorhanden.
Der Kerngedanke ist auch, dass man soviel Energieüberschuss hat, dass alle Batterien bereits satt und voll sind und man obendrauf Wasserstoff erzeugt, speichert und verwertet.
Wenn man das so versteht, ist die Effizienz komplett nebensächlich.
Große Kapazitätsüberschüsse braucht man ja bei einigen erneuerbaren Energiequellen eh (Solar und insbesondere Wind), weil die nicht immer mit voller Kapazität laufen. Das Gesamtsystem wird also effizienter, wenn man in Zeiten von Überproduktion Wasserstoff (und ggf. andere Elektrolyseprodukte) macht.
Dazu sind Batterien, um die Elektrizität direkt zu speichern, in der Herstellung aufwendig (inklusive extrem hohem Energieaufwand) und, je nach Bauart (und davon abhängiger Energiedichte) nicht ganz unproblematisch im Betrieb, z.B. Risiko Thermal Runaway bei Lithiumzellen. Bis jetzt ist das so weit ich weiß bei stationären Großanlagen noch nicht vorgekommen, aber das wird irgendwann passieren, wenn es mehr davon gibt und die Anlagen länger laufen. Die Statistik gewinnt bei solchen Sachen immer. Der Aufwand, einen batteriebasierten Stationärspeicher zu bauen, der einen thermal runaway einzelner Zellen beherrschen kann, ohne dadurch unweigerlich ganz auszufallen, ist ungleich größer, als einfach Massen von Batterien in einer großen Halle zu stapeln.
Durch LFP und Natrium (upcoming) natürlich etwas weniger riskant.
Durchaus, wobei die Energiedichte bei LFP niedriger und Natrium noch nicht serienreif ist. Wenn die Aufstellfläche teuer ist, geht man dann bei Großanlagen wahrscheinlich lieber auf die höhere Enegiedichte. Außerdem gibt es Großspeicher, die gebrauchte Batterien aus Elektroautos benutzen, weil die eben wesentlich billiger sind, als Alternativen mit gleicher Kapazität.
Alles ein abwägen und ne Frage der Sichtweise. Die Energiedichte ist gerade stationär weniger kritisch als mobil. Dazu kommt der niedrigere Preis und die Sicherheit.
Ich dachte CATL wäre in die Serienproduktion eingestiegen.
EDIT: https://lomazoma.com/das-erste-serienmodell-mit-salzbatterie-kommt-2026-2/
Wir sind aber noch LÄNGST nicht an dem Punkt genug Akkukapazität zu haben, zum längere Perioden mit wenig erneuerbaren Energien zu überbrücken. Akkus sind super, um Stunden oder Tage zu überbrücken. Aber um den Überschuss vom Sommer in den Winter zu schieben, ist sowas wie Wasserstoff nicht verkehrt. Zumindest, bis wir was besseres erfunden und ausgerollt haben.
Wasserstoff kann man aber auch nicht wirklich über Monate speichern. Der Toyota Mirai verliert alle ~2 Wochen den halben Tank. Wenn dann muss man richtig synthetische Kohlenwasserstoffe speichern, was die Energiebilanz noch schlechter macht.
Ich dachte bislang, dass das in Druckbehältern schon möglich wäre. Es gibt ja schon (irrsinnig teure) Muster-Einfamilienhäuser mit Gasflaschen im Garten, die im Sommer per Elektrolyse mit Wasserstoff gefüllt werden und im Winter dann wieder rückwärts mit einer Brennstoffzelle Strom erzeugen. Dass das so kleinteilig (jedes kleine Haus einzeln) mit der aktuellen Technik nicht wirtschaftlich ist, denke ich auch. Als Quartierslösung oder für große Mehrfamilienhäuser hätte ich mir das aber grundsätzlich schon vorstellen können. Ggf. ja auch nicht als alleinige Lösung, sondern als einen Baustein von mehreren. Wirkungsgrade sind natürlich nicht toll, aber wenn man eben so Überschüsse in den Winter verlagert bekommt, könnte es trotzdem attraktiv sein.
Tatsächlich wird der Unfug aber von Wissenschaftern vorgeschlagen. Nicht in einem entweder oder Ansatz, aber in einem gemischten Betrieb. Bei Überschuss Wasserstoff in Kavernen (Dichtigkeit wird gerade geprüft) und dann ab in die Industrie oder in Kraftwerke, je nach Bedarf.
Der Rückschritt beim Wasserstoffausbau
Wurden da wirklich konkrete Projekte gestoppt, oder hat man bloß ein paar falsche Erwartungen an die Realität angepasst?
Die Förder- und Investitionslandschaft hat sich soweit ich das verstehe geändert.





