Der Artikel ist übrigens wirklich toll geschrieben, erklärt, ordnet ein und das auf Basis konkreter Statistiken. Wirklich ein richtig guter Text!
(Und das wird echt interessant. Wenn du Landkreise hast, in denen über 40% über 60 Jahre alt sind, dann weißt du, dass da in 10 oder 15 Jahren wirklich die Lichter ausgehen)
Is doch schön. Wir verwandeln einfach alle neuen Bundesländer schrittweise in Naturschutzgebiete
Endlich: Blühende Landschaften.
Die Grafik mit dem Anteil der über 60jährigen in deutschen Landkreisen, hat frappierende Korrelation mit der Wahlkarte Stimmen für die AfD.
Und das Resümee des Artikels: Der Osten überaltert, viele junge Frauen sind weg und es werden deswegen weniger Kinder geboren.
Dazu kommt, dass ausländische Frauen, die mehr Kinder bekommen als deutsche, nicht in den Osten gehen (was ich echt verstehe).
Jetzt mal die provokante Frage an „die Ossi‘s“: Warum bekommt ihr es nicht hin, dass „eure“ Frauen wieder zurück kommen in die Heimat?
(Mir ist sehr häufig in den Osten-Diskussionen die Tendenz von „Ostlern“ aufgefallen, die Schuld bei anderen Wessis/Ausländer/Chefs/whoever zu suchen. Nie bei sich selbst oder sich zu hinterfragen)
Warum bekommt ihr es nicht hin, dass “eure” Frauen wieder zurück kommen in die Heimat?
Das Fehlen von Perspektiven?
Gefühlt gibt es (insbesondere im ländlichen) Ostdeutschland kaum Berufe außerhalb des Handwerks, vielleicht teilweise noch etwas Industrie, aber sehr wenig im Handels- oder Dienstleistungssektor.
Und familienfreundlich ist es nicht gerade, wenn die Kultur hier aus rechtsextremen Ronnys und rückwärtsgewandter (N)Ostalgie besteht. Mit den lokalen Betonköpfe würde ich auch nur ungern eine Familie aufbauen wollen.
Bin zwar keine Frau, aber kann das an der eigenen Vita durchaus nachvollziehen. Beim Aufwachsen in ST hatte ich keine Wahl, Studieren in der offeneren Landeshauptstadt ging noch, aber dann keinen Grund gefunden, hierzu bleiben, weil zukunftssichere Jobs fehlen, Infrastruktur mäßig ist und die Leute komisch sind.
Jaja, strukturelle Probleme sind es. Also mal wieder nicht man selber.
Schon mal im Ruhrgebiet gewesen? Im Schwarzwald? in der Eifel? Oder Friesland?
Ist ja nicht so, dass die Verstädterung nur die östlichen Landkreise betrifft und aufm Land kaum noch Industriearbeitsplätze.
Und den Sinkflug, den das Ruhrgebiet hingelegt hat, den haben noch nicht mal alle östlichen Bundesländer zusammen geschafft. Das Ruhrgebiet ist nicht super geil und die Leute da teilweise schon schräg. Ich habe jedoch da nie mitbekommen, dass die Bevölkerungsmehrheit auf die Anderen geschimpft hat (Anderen = setze hier irgendwas ein)
Da ist schon eine spezielle kulturelle Melange, die im Osten wirkt.
Edit: Kleine Anmerkung noch. Eifel, Friedland und Schwarzwald haben sich mit Tourismus ein gutes Standbein aufgebaut. Im Osten scheitert es wegen tja. Da wollen noch nicht mal mehr Deutsche Urlaub machen, weil zu unfreundlich. Was sagt die Hotelerie dort: Die Touristen sind Schuld, dass sie nicht kommen. https://www.derwesten.de/panorama/vermischtes/urlaub-ostsee-stornierung-afd-stornierungen-regelrechte-id301463746.html
Warum sollten sie denn zurückkommen?
Man zieht dahin wo man sich Perspektive erhofft. Das passiert häufig während der formenden Jahre zwischen 16-30. Während dieser Zeit lernen die meisten auch ihre Partner kennen und bauen sich einen Freundeskreis auf, meist um den Studienort. In ihrer alten Heimat haben sie wesentlich weniger Perspektiven und ihr Freundeskreis ist weit weg. Da sind ideologische Unterschiede noch gar nicht dabei, aber selbst daraus ist es nicht sehr reizvoll, zurückzuziehen.
Was soll sich daran jetzt durch die Bevölkerung im Osten ändern? Das sind strukturelle Probleme, die von der dummen rückwärtsgewandten Einstellung die du ansprichst noch nicht mal betroffen ist. Die kommt dann eher noch oben drauf.
Verstehe ich und kenne es aus meiner Region auch so. Nur: Warum ziehen viel mehr Frauen weg, als Männer?
Das ist schon ein augenfälliger Unterschied zu anderen Bundesländern.
Und nur mal kurz am Rande: ich finde ostdeutsche Frauen viel cooler als westdeutsche. Aus verschiedenen Gründen, aber das ist eher OT.
Warum ziehen viel mehr Frauen weg, als Männer?
Berechtigte Frage, zu der ich aber keine fundierte Antwort kenne, nur Mutmaßungen meinerseits.
Im Durchschnitt heiraten Frauen wirtschaftlich stärker nach oben als anders herum, was zum Beispiel bei Ärzten gut erkennbar ist. Wirtschaftlich besser gestellte Männer als studierte Frauen gibt es häufiger in Westdeutschland als Ostdeutschland.
Edit: und nur um klar zustellen, damit ist keine Wertung meinerseits verbunden. Es gibt sehr viele Gründe warum das so ist, unter anderem das Frauen in unserer Gesellschaft häufiger allein und sitzen gelassen wurden von ihren Männern als anders herum. In so einer Situation bietet es sich dann an ein Polster zu haben.
Und das Frauen, gerade studierte, damn auch stärker linke Politik vertreten macht ihnen es dann natürlich auch nicht schmackhafter in gewisse Gebiete im Osten zurückzugehen. Aber wenn wir gegen die braune Scheiße nicht gegen steuern als Gesellschaft haben wir sowieso ein Riesenproblem, ganz unabhängig von der Demographie.
Und, wieviele Millionen-/ Milliardenschwere Unternehmen hast du aufgebaut, die am Ende mit gut bezahlten Arbeitsplätzen locken bzw. weitere kleinere Unternehmen als Support/ Zulieferer anziehen? Also was tust du, dass die Menschen in deiner Region bleiben, oder ruhst du dich auch auf dem aus was einfach schon da ist?
Der Osten hat mehrfach geblutet. Nach dem zweiten Weltkrieg sind extrem viele Unternehmen (verständlicherweise) in die Bundesrepublik umgesiedelt. Das was noch da war wurde dann durch die sowjetische Besatzung (mit Unterstützung ostdeutscher Politker) zerstört oder enteignet. Das wenige was dann in der DDR aufgebaut wurde, wurde nach der Wende zum großen Teil auch noch zerstört. Nach der Wende waren die meisten ostdeutschen Unternehmen sicherlich so marode, dass eine Abwicklung sinvoll war. Gleichzeitig wurden aber auch Unternehmen geschlossen, die vielleicht mit etwas Unterstützung erfolgreich gewesen wären, aber für einen Teil der westdeutschen Unternehmen war das ungewollte Konkurenz, also: zumachen. Das sind alles Themen die Ich und alle die hier wohnen nicht (mehr) beeinflussen können.
Das hat nichts mit “Schuld bei anderen suchen” zu tun. Hier fehlen einfach gewachsene Strukturen/ Unternehmen/ Kapital, genau das was aber benötigt wird um Menschen in der Region zu halten bzw. etwas neues aufzubauen um sie wieder herzuholen. Die ganzen gut bezahlten Jobs in F/E, Unternehmensleitung, ja selbst einfach in der Industrie gibt es hier nicht oder nur sehr wenig. Der Osten ist immernoch die verlängerte Werkbank. Es wird schlechter bezahlt, ist schlechter ausgestattet, hat gleichzeitig aber nicht die Freiheiten oder Förderung um daraus zu lernen und etwas eigenständiges aufzubauen wie es z.B. in China der Fall ist.
Und doch wird auch im Osten einiges neu aufgebaut, das ist im Vergleich nichts zu dem im Westen was einfach schon da ist. Da gehen noch viele Jahre (oder Jahrzente) ins Land bis das einen spürbaren Einfluss hat.
Wenn du es auf die persönliche magst: Selbstständigkeit mit 19, Internet-Startup mit 24 (in Dotcomkrise weggerasselt), angestellt, jetzt Vorbereitung zum neuen Unternehmen. Und du?
Was ist denn die Erwartungshaltung? Die DDR war runtergerockt. Materiell wie ideologisch. Das war nicht im Ansatz in dem Zustand, wie irgendein westeuropäischer Staat.
Dann Wende und bitte schön direkt das Niveau wie im Westen?
Der Osten hat mehrfach geblutet. Nach dem zweiten Weltkrieg sind extrem viele Unternehmen (verständlicherweise) in die Bundesrepublik umgesiedelt. Das was noch da war wurde dann durch die sowjetische Besatzung (mit Unterstützung ostdeutscher Politker) zerstört oder enteignet. Das wenige was dann in der DDR aufgebaut wurde, wurde nach der Wende zum großen Teil auch noch zerstört
Was man nicht vergessen sollte: Diverse Gegenden im Osten waren noch nie wirklich reich und prosperierend. Klar, Sachsen und Berlin. Aber irgendwo im Sand in Vorpommern oder in den Tiefen des Thüringer Waldes war auch schon im Kaiserreich nie wirklich viel los.
Zustimmung mit Einschränkung. Was wäre passiert, wenn man diese Regionen nach dem Krieg massiv gefördert hätte? Dabei schiele Ich mal Richtung Bayern.







