Ich habe diesen Zeit+ Artikel von einem Arbeitskollegen zugeschickt bekommen und konnte ihn lesen.

Edit: Link zum PDF des kompletten Artikels ist entfernt.

Nachfolgend aber einige Passagen, die ich bemerkenswert halte - kurz zusammengefasst: Es wird die Expertise der Fossil-Lobby herangezogen, was die Formulierung von Kriterien für die Subventionierung zugunsten von Gaskraftwerken zur Folge hat, Klimaschutz wird durch Bürokratie verkompliziert, Verursacher jedoch gleichezeitig nicht in die Pflicht genommen, während in anderen Ländern die Erneuerbaren auf dem Vormarsch sind.

3. Fossile Lobbys fragen, grüne ghosten Das Wirtschaftsministerium hat fossile Energiekonzerne in den vergangenen Monaten gezielt um Hilfe gebeten – beispielsweise als es um den Zubau neuer Kraftwerke ging, damit die Stromversorgung konstant gesichert ist. Die Konzerne ließen sich daraufhin – oh Wunder – Kriterien für Subventionen einfallen, die Gaskraftwerke bevorzugen. Später tauchten die Argumente und sogar konkrete Forderungen in Gesetzentwürfen des Ministeriums auf. Hier zwei Beispiele, die der Spiegel und das Handelsblatt dokumentiert haben und von denen sich eins auch im Lobbyregister des Bundestags wiederfindet: E.on schlug die sogenannte 10- Stunden-Regel vor, nach der eine Anlage mindestens zehn Stunden lang Strom liefern muss – was Gaskraftwerke leichter können als Batteriespeicher. RWE wünschte sich unter anderem, dass die Batteriespeicher nur zwei Stunden Zeit haben, um wieder aufzuladen – was für Großbatterien viel zu wenig ist. Es gab noch andere Vorschläge, alle einte das Ziel, grüne Konkurrenten aus dem Markt zu halten und das eigene Geschäftsmodell – den Betrieb von Gaskraftwerken – zu schützen. Und während die fossilen Konzerne also um Vorschläge gebeten werden, warten Vertreter der erneuerbaren Branche vergeblich auf Gespräche mit der Ministerin: Ursula Heinen-Esser, die Chefin des Bundesverbandes Erneuerbare Energien, hat unlängst im freundlichen Krisen-Podcast (ADN) ganz offen erzählt, wie lange sie schon auf einen Termin wartet. Da hilft nicht mal, dass auch sie ein CDU-Parteibuch und einst sogar mit Reiche im Bundestag gearbeitet hat. Andere Verbände für grüne Energien oder Umweltverbände berichten Ähnliches.

4. Klimaschutz kompliziert machen Minister machen Gesetze. Ein wichtiger Teil ihres Jobs ist es, alte Vorschriften der neuen Wirklichkeit anzupassen; moderne Regierungen machen moderne Gesetze – und streichen unnötige Regeln. Auch Katherina Reiche betont gern, dass sie den Staat schneller machen wolle. Wir »räumen Bürokratie aus dem Weg«, sagte sie erst vor wenigen Wochen. Und tatsächlich könnte man ja meinen, dass ihre Skepsis bei neuen Regelungen eine sinnvolle Skepsis gegenüber noch mehr Bürokratie ist. Doch eigentlich ist sie vor allem damit beschäftigt, es als modern zu verkaufen, wenn sie Umweltschutz schrumpft. So will Reiche unter anderem das Energieeffizienzgesetz »modernisieren« – ergo Rechenzentren weniger stark dazu verpflichten, ihre Abwärme zu nutzen. Die aber ist schon heute ein Klimaproblem; und beim Wachstum dieser Branche wird sich das in den kommenden Jahren potenzieren – wenn nichts passiert. Auch bei der Reform des Heizgesetzes, für die ihr Haus mitverantwortlich war, glänzt Reiche nicht als große Vereinfacherin. Im Gegenteil war die Novelle so schlecht und kompliziert formuliert, dass sogar der Nationale Normenkontrollrat (NKR) sie als »kaum verständlich, praxisfern und kostspielig« kritisierte. Wie war da noch dem Wegräumen der Bürokratie?

Letztens: Die Wirklichkeit ausblenden Die Energiepreise in Deutschland sind hoch, gerade weil noch zwei Drittel der Energie aus Gas und Öl kommen. Schaut man, wo sie in Europa niedrig sind, dann stellt man schnell fest: Es sind Länder, in denen die Erneuerbaren eine immer größere Rolle spielen – Spanien beispielsweise. Dort wurde Gas konsequent durch Wind- und Sonnenstrom ersetzt. Das Wirtschaftsministerium aber bremst Deutschland auf diesem Weg. Das bedeutet nicht, dass nicht viele einzelne Menschen künftig auf E-Autos umsteigen, doch noch eine Wärmepumpe in den Keller und ein Solarpanel aufs Dach bauen lassen. Es wird ihnen nur durch diese Ministerin eben nicht leichter, sondern schwerer gemacht.

  • HaraldvonBlauzahn@feddit.org
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    8 hours ago

    Da gibt es neben Leugnung noch andere Strömungen, z.B. Accelerationism:

    https://en.wikipedia.org/wiki/Accelerationism

    Oder auch, statt Leugnung des Klimawandels an sich wird die Dimension des Problems geleugnet, es wird vorgegeben man ekomme es mit kosmetischen Änderungen in den Griff.

    Oder man schaut einfach auf die Auswirkungen dieser Politik und nennt es: Korruption.

  • django@discuss.tchncs.de
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    7 hours ago

    Irgendwie finde ich die Frage, warum sie so handelt weniger wichtig als die Feststellung, dass sie uns allen aktiv und mit Absicht schadet.

    • nicerdicer@feddit.orgOP
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      5
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      7 hours ago

      Das stimmt. Sie ist halt sehr loyal (zu ihren ehemaligen und wahrscheinlich auch zukünftigen Arbeitgebern). Höchst wahrscheinlich profitiert sie finanziell persönlich davon.

      • berty@feddit.org
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        6 hours ago

        Korrupt! Und das so offensichtlich.

        Mich wundert es fast, dass sie immer noch im Amt ist bzw. dass sie so wenig Gegenwind bekommt. Selbst die Wirtschaft und CDUler müssten doch sehen, dass so ein Ausbremsen von erneuerbarer Energie nur der Gasindustrie nutzt. Wie viel Macht hat so eine einzelne Frau? Es wird doch immer beklagt, dass Deutschland als Standort zu teuer sei.

  • Der aus Aux@feddit.orgM
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    8 hours ago

    Ich wäre ein wenig vorsichtig, komplette Artikel als PDF zu zitieren. Da kann auch bei einer kleinen Community das Urheberrecht zuschlagen.

    • nicerdicer@feddit.orgOP
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      8 hours ago

      OK, das ist nachvollziehbar. Was würdest du in diesem Fall vorschlagen? Soll ich den Post wieder löschen?

      • einkorn@feddit.org
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        8 hours ago

        Den Post hier kannst du lassen. Du solltest mMn das PDF bei Catbox löschen und die deiner Ansicht nach relevanten Passagen im Post zitieren.

  • Azura The Spellkissed@lemmy.blahaj.zone
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    8 hours ago

    Ist Katherina Reiche also eine Klimaleugnerin? So weit müssen wir gar nicht gehen, zumal sie den Klimawandel tatsächlich nicht leugnet. Doch Reiche nennt die Klimaziele »verdammt ambitioniert« und führt dann aber nicht aus, was sie denn alles tun wird, um sie zu erreichen. Stattdessen bremst sie die Energiewende und stärkt die fossilen Industrien. Sie redet schlecht über die Erneuerbaren. Sie ignoriert die Klimakrise, statt sich von den dramatischen Folgen, den vielen Hitzetoten, den Dürren und Unwettern berühren zu lassen.

    [… ihre Methoden]:

    1. Grüne Innovationen ignorieren
    2. Zweifel säen
    3. Fossile Lobbys fragen, grüne ghosten
    4. Klimaschutz kompliziert machen
    5. Alten Monopolisten neue Macht geben
    6. Zahlen falsch nutzen
    7. Rechtsunsicherheit schaffen
    8. Verträge mit der Vergangenheit machen
    9. Suggerieren, dass Gas billig grün wird
    10. Fossile Konzerne subventionieren
    11. Wirklichkeit ausblenden

    Der Artikel benannt zu jedem o.g. Punkt ein Beispiel