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    7 hours ago

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    Die Lese- und Mathematik-Kompetenz der Berliner Grundschüler ist im freien Fall. Darauf deuten die Ergebnisse der diesjährigen Vergleichsarbeiten (Vera) der Drittklässler. Sie liegen dem Tagesspiegel exklusiv vor. Das Fazit: Inzwischen bleibt die Hälfte der Schülerinnen und Schüler beim Lesen und Rechnen unterhalb des Mindeststandards. An eine erfolgreiche Schullaufbahn ist für diese Kinder kaum noch zu denken.

    Beim Sprachgebrauch im Deutschen sieht es noch schlechter aus. Hier sind es sogar 54 Prozent, die an den Mindestanforderungen scheitern. Vor drei Jahren waren es noch 46 Prozent.

    Erfragt hat die Befunde der Abgeordnete Alexander King (BSW). Er hatte kürzlich bereits die Ergebnisse der Achtklässler abgefragt. Auch die waren verheerend, aber mit einzelnen positiven Veränderungen. Diese kleinen Lichtblicke fehlen bei den Drittklässlern vollständig.

    „Die Vera-Ergebnisse der Drittklässler sind insofern noch trauriger als die der Achtklässler, als sich hier gar keine positive Entwicklung erkennen lässt“, resümiert denn auch der Abgeordnete. „Im Vergleich zwischen 2023 und 2026 haben sich alle Parameter verschlechtert: Der Anteil der Schüler, die unter den Mindestanforderungen bleiben, stieg beim Lesen von 35 auf 50 und in der Mathematik von 37 auf 48 Prozent“.

    Diese Entwicklung hatte sich schon abgezeichnet, als die Einschulungsuntersuchungsbefunde von 2023 in eine ähnliche Richtung deuteten. Denn bei den Kindern, die 2023 untersucht worden waren, handelt es sich zum größten Teil um die Kinder, die jetzt getestet wurden.

    Die Einschulungsuntersuchungen mitsamt gleichzeitiger Befragung der Eltern hatten ergeben, dass 54,5 Prozent der Kinder in dem Jahrgang zu Hause kein Deutsch sprechen. Zudem besagten die Befunde, dass zwar 90 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund in Deutschland geboren wurden, jedoch die Hälfte mehrere Sprachdefizite hat. Sie können beim Eintritt in die erste Klasse beispielsweise keinen Plural bilden, keine Wörter nachsprechen oder hadern auch mit der Artikulation bestimmter Lautgruppen.

    BSW-Votum für ein Einwanderungsgesetz Diese Vielzahl von Problemen kann in den ersten drei Schuljahren nicht annähernd aufgeholt werden. King schließt aus den Vera-Befunden, dass Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) „das Erbe der jahrzehntelangen SPD-Bildungspolitik nicht in den Griff bekommt“, auch wenn sie durchaus „gute Maßnahmen“ begonnen habe.

    Als Beispiel nannte King die Bemühungen der CDU um die frühkindliche Sprachbildung. Das alles reiche aber nicht, da zugleich die Herausforderung etwa „durch die hohe Zuwanderung in den letzten Jahren“ immer größer geworden sei. Statt die „unregulierte Zuwanderung“ weiter zuzulassen, forderte King am Mittwoch, die Zuwanderung so zu gestalten, dass Integration,auch über Schule, gut gelingen könne. Dazu gehöre, dass sie „kontrolliert“ ablaufe und „die Zahlen in einem Rahmen bleiben, der bewältigt werden kann“. Dazu bedürfe es „eigentlich“ auch eines Einwanderungsgesetzes oder „vielleicht sogar eines Einwanderungsministeriums“, auf jeden Fall aber auch einer intensiven Sprachvorbereitung. Zudem schlägt das BSW vor, Kinder mit und ohne Deutschdefizite „gleichmäßiger auf die Schulen in ihrem näheren Wohnumfeld zu verteilen“.

    Der Ruf nach einer Vorschulpflicht wird lauter Die schlechten Vera-Ergebnisse passen zum lauter werdenden Ruf nach einer Vorschulpflicht.Die Berliner FDP ist mit der Forderung in den Wahlkampf gestartet, auch die CDU formuliert es ähnlich. Zwar hat Berlin bereits seit 18 Jahren eine gesetzliche Förderpflicht in den 18 Monaten vor der Einschulung, wenn Kinder schlecht Deutsch sprechen. Aber diese Pflicht wird nur lückenhaft umgesetzt, weil die Schul- und Jugendämter der Verfolgung der säumigen Eltern nicht nachkommen.

    Die alarmierenden Defizite der Grundschüler haben dazu geführt, dass in einer von der Drogeriekette Rossmann angeführten Aktiondeutschlandweit Kitakinder im Jahr vor der Einschulung in 150 Schulen geholt werden, um sie stundenweise vorzubereiten. Auch in Berlin sind bereits 13 Schulen beim „Klasse-0-Projekt“ dabei, weitere haben sich bereits um die 8000-Euro-Förderung bemüht.

    Die Probleme sind von Anfang an derart massiv, dass der Verband der Grundschulleitungen in Berlin (VBGL) bereits eine Gesetzesänderung gefordert hat, damit auch Erstklässler sitzenbleiben können. Bisher ist dies erst ab Klasse 2 gestattet. Der VBGL-Vorsitzende Guido Richter hält die Klassenwiederholung bereits ab Klasse 1 für so wichtig, weil sich sonst die Defizite weiter auftürmen und sich die Kinder schon in der zweiten Klasse nicht mehr zurechtfinden. Das in Berlin übliche Verweilen in Klasse 3 kommt für diese Kinder zu spät, ist sich der Verein der Grundschulleitungen sicher.

    Die Bildungsverwaltung äußerte in der Antwort auf Kings parlamentarische Anfrage, dass die Vergleichsarbeiten „die Notwendigkeit unterstreichen, Basiskompetenzen in den Bereichen Sprache und Mathematik gezielt zu fördern.“ Dem entspreche auch bereits die strategische Ausrichtung der Behörde, die sich ja auf die Steigerung der „sprachlichen und mathematischen Kompetenzen aller Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen als zentrales Ziel“ fokussiert habe. „Der aktuelle Rückgang der Zahl der Grundschulkinder muss zum Anlass genommen werden, die Klassenstärken zu verkleinern und Doppelsteckung, also den Einsatz von zwei Lehrern in einer Klasse, zu ermöglichen“, fordert der Abgeordnete King angesichts der großen Probleme. Die Zumessungsgrundlage für die Lehrkräftestellen müsse nochmals überarbeitet werden. Wie berichtet, hatte Günther-Wünsch bereits mit der GEW zusätzliche Personalressourcen für die Grundschulen verabredet.

    Die Vera-Ergebnisse werden nur auf Parlamentsnachfrage veröffentlicht und nicht automatisch, weil sie in erster Linie dazu dienen sollen, den Lehrkräften eine Standortbestimmung zu geben. Da von Jahr zu Jahr die Aufgabentypen variieren, ist ein direkter Vergleich zudem nicht immer angebracht. Dennoch bieten die Daten eine Orientierung, wo die Berliner Schüler stehen.